Habitatbäume sind auf den ersten Blick unscheinbar, manche würden sie sogar als „beschädigt" bezeichnen. Was aus Sicht der Holzwirtschaft als Mangel gilt, wie zum Beispiel abgebrochene Äste, Risse oder ein Pilz, ist aus ökologischer Perspektive ein wertvoller Lebensraum. Jede Höhle und Kronenstruktur bieten kleinen Lebewesen wie Insekten und Vögeln einen einzigartigen Rückzugsort, ein Mikrohabitat.
Waldbesitzer erhalten Fördermittel der EU, wenn sie solche Bäume bewusst stehen lassen und so zur Biodiversität beitragen, daher ist deren systematische Erfassung und Dokumentation wichtig: Wo steht ein Habitatbaum? Wie ist sein Zustand? Welchem Habitattyp gehört er an? Genau hier setzt die Habitatbaum-App von ARC-GREENLAB an.
Hierarchische Erfassung nach Baumikrohabitaten
Die App basiert auf ArcGIS Field Maps von Esri und bildet ein mehrstufiges Klassifikationssystem ab: Bundesland – Baumart - Typ. Die übergeordneten Habitatformen, darunter beispielsweise Höhlen und Wucherungen, bilden die erste Auswahlebene. Abhängig von der gewählten Form werden automatisch die passenden Gruppen und Typen eingeblendet. Diese regelbasierte, hierarchische Abfragestruktur sorgt für einen intuitiven und effizienten Erfassungsprozess im Feld.
So gilt etwa: Wird die Form „Höhle" gewählt, erscheinen ausschließlich die relevanten Untergruppen wie Spechthöhle oder Mulmhöhle. Ergänzt wird die Erfassung durch die Standortangabe per Karte sowie die Möglichkeit, Fotos direkt anzuhängen.
Technologische Herausforderung erfolgreich gemeistert
Die Umsetzung abhängiger Fragen, also regelbasierter Feldlogik innerhalb von ArcGIS Field Maps, war zum Zeitpunkt der ersten Entwicklungsphase eine Neuheit. Da die für diese Funktionalität erforderliche neuere Version von ArcGIS Enterprise beim Kunden, der Landwirtschaftskammer Niederachsen, zunächst noch nicht verfügbar war, wurde das Projekt vorübergehend pausiert.
Die Fertigstellung der Habitatbaum-App biegt auf die Zielgerade: Sobald die notwendige Serveraktualisierung abgeschlossen ist, kann auch die Entwicklung der App abgeschlossen werden.
Ausblick
Die Habitatbaum-App ist ein weiteres Beispiel dafür, wie ArcGIS Field Maps als flexibles Erfassungsinstrument für spezialisierte Fachthemen eingesetzt werden kann. In diesem Fall an der Schnittstelle von Naturschutz, Forstwirtschaft und digitaler Felderfassung. ARC-GREENLAB freut sich, das Projekt gemeinsam mit der LWK weiterzuentwickeln.